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Wenn Prozesse auf Senf treffen…

February 11, 2009

In der Beratungsbranche ist die Verlockung groß, durch die Kreation eigener Begriffe ein gewisses Alleinstellungsmerkmal bezüglich einer Methoden- oder Lösungskompetenz zu suggerieren. Im Umfeld von Geschäftsprozessthemen sind wir ja besonders gesegnet, da wir hier nicht nur mit „Headlines“ und „Buzzwords“ wie Business Process Management oder Business Process Monitoring arbeiten, sondern den Kunden den Zugang zu unserer Welt bewusst durch prägnante Kürzel wie BPM, BPR, BPMN, BPEL, BAM, BPR, BPE und ähnlichem erleichtern, getreu der Annahme,

dass drei Buchstaben zur Lösung des Kundenproblems immer ausreichen dürften. Falls nicht, geben wir ihm notfalls einen vierten Buchstaben dazu, BPMS ist so ein Beispiel. (Ich warte sehnsüchtig auf den ersten Monitoring-Anbieter, der dies offiziell zu Business Process Monitoring System erklärt).

Daher erfüllt es mich mit Stolz, nun auch selber Erfinder eines neuen Begriffes in der Prozesswelt zu sein. Ich kann darauf verweisen, dass mein Begriff aus zwei vollständigen Worten ohne Verwendung von Abkürzungen besteht, dass beide Worte in jedem handelsüblichen – zugegebenermassen englischsprachigen – Lexikon zu finden sind und dass die beiden leicht zu merkenden Worte in ihrer Kombination etwas Magisches an sich haben.

Vielleicht sollte ich zuvor noch erläutern, wie es zu der Schöpfung dieses neuen Standardausdrucks kam. Ich nehme gerne gute und einprägsame Beispiele für erfolgreiche und weniger erfolgreiche Methoden und Lösungen im Kundenumfeld auf, wenn sie aus eigenen Kundenprojekten stammen (nur die erfolgreichen natürlich), dann sind es Erfahrungen, über die man detailliert berichten kann, wenn sie von anderen Beratern stammen, dann sind es höchstens Hinweise, die man weitergeben kann.

Ich war also schon länger auf der Suche nach einem einprägsamen Beispiel für neugestaltete Prozesse, die zwar funktionieren, aber ihren Zweck nicht erfüllen. Dankeswerterweise machte Steve Towers auf einen Artikel im englischen Daily Telegraph aufmerksam, der mir nicht nur das lang ersehnte Beispiel, sondern zudem die Vorlage für meinen neuen Begriff lieferte.

Wenn Sie also in den kommenden Jahrzehnten (wir denken erfolgreich und langfristig!) über den Prozesstyp „Mustard Process“ stolpern, denken Sie bitte ein wenig an mich….und noch ein wenig mehr an die Opfer derartiger Prozesse.

Die Story zum Senf finden sie übrigends hier

(TJO)

3 Comments leave one →
  1. February 12, 2009 14:54

    Solche Begriffe sind gut und haben sich ja auch schon in anderen Disziplinen wie Software Engineering (Design Pattern) bewährt. Wenn es gelingt, dass diese Begriffe in den normalen Sprachgebrauch der Modellierer übergehen, dann steigert dies nicht nur die Kommunikationseffizienz in Projekten, sondern verhindert auch die benannten Fehler (denn wer will schon Senf modellieren).

  2. taraneon permalink
    February 12, 2009 15:43

    Um da wieder ein Stück Ernsthaftigkeit reinzubringen: Wir brauchen wieder Begrifflichkeiten und Argumente, mit denen die Zielgruppe etwas anfangen kann. So verdienstvoll die Leistung der Vendoren in der Vergangenheit auch war, das BPM Thema zu positionieren, haben sie es in den letzten Jahren versäumt, die Business-Seite anzusprechen. Als ich auf der letzten DMS in Köln mit einem Kunden von der Fachseite über die BPM-Ausstellung wanderte, war es schon erschreckend zu sehen, mit welchen Buzzwords da versucht wird, Produkte zu verkaufen. Der Kollege zeigte sich zurecht völlig irritiert, weshalb BPEL und BPMN die primären Argumente sein sollten, Produkt A oder B zu wählen, wenn er doch eindeutig ein Prozessmanagement- und kein technisches Integrationsproblem hat. (Und er war noch nicht einmal in der Lebensmittlebranche tätig)

  3. February 12, 2009 17:34

    Da ich ja selbst für einen BPM Hersteller arbeite, kann ich nur sagen, dass das Buzzword Selling nicht böse Absicht ist, sondern auch einem gewissen Marktbedürfnis nachkommt. Leider ist nicht jeder Entscheider bereit sich mit der Materie auseinander zu setzen, sondern folgt lieber Hypes (wenn alle es tun muss es ja gut sein). Nimmt man dann als Hersteller nicht am Hype Building teil, dann entgehen einem Geschäfte.

    Ich stimme aber unumwunden zu, dass das kein guter Zustand ist.

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