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BPM: Haben wir einen Führungs- und Fachkräftegraben?

June 17, 2011

Ich hatte diese Woche das Vergnügen, an einer Veranstaltung des Alumni Zirkel der Universität Hamburg teilzunehmen. Thema – wie konnte es anders sein – war natürlich Prozessmanagement.

Auffallend war zuerst einmal, dass der Teilnehmerkreis eine bunte Mischung verschiedenster Disziplinen darstellte: von Psychologen über Betriebswirte bis zu Naturwissenschaftlern. Dementsprechend interessant und vielschichtig waren auch die Diskussionen. A prospos Diskussionen. Wenn ich die Agenda richtig verstanden habe, hatten die beiden Referenten (Hut ab, wie sie auch Fachfremden den Zugang zum Thema ermöglicht haben) einen Vortrag mit anschliessender Diskussion vorgesehen. Statt dessen wurde es eher ein Impulsvortrag, der in kürzester Zeit zu einer spannenden und lange andauernden Diskussion über Erfahrungen der Teilnehmer führte.

In den Diskussionen kamen zwei Punkte wiederholt auf:

  • Dokumentation von Prozessen – sei es als Entwurf oder Ist-Aufnahme – wird aus verschiedenen Gründen als sehr wichtig angesehen, allerdings wurde auch eine gewisse Hilflosigkeit deutlich, wie denn dann mit den Modellen/Dokumentationen umzugehen sei und welchen tatsächlichen Wert und Nutzen sie besitzen.
  • Während der klassische Business/IT Graben überhaupt keine Erwähnung fand, wurde stattdessen eine wesentliche Erfahrung aus dem Change-Management betont, daß weder Führungs- noch Fachkräfte richtig abgeholt, geschweige denn zusammengeführt werden. Das fehlende ‘in-Einklang-bringen’ von Prozesszielen mit den Zielen der Führungskräfte und das gleichzeitig fehlende Prozessverständnis der Mitarbeiter wurden als grösste Hürden des Prozessmanagements genannt. Aus meiner Sicht bestätigte dies nochmal die Ergebnisse unserer Process Awareness Umfrage aus dem letzten Jahr.

Alles in allem eine sehr gelungene und interessante Veranstaltung, die aber nochmals zeigte, wie wichtig die Themen sind, die oftmals durch die ‘Hard Facts’ wie BPM-Tools,  Systementscheidungen, Modellierungsstandards etc. zugedeckt werden.

3 Comments leave one →
  1. June 17, 2011 09:55

    Das war sicher eine sehr interessante Veranstaltung! Danke für den Link. Nein, an diesem Graben wird BPM aus meiner Sicht nicht scheitern. Aber leider werden wegen den beschriebenen Kommunikationskonflikten die BPM-Projektziele auch nie voll erreicht werden. Gute Chancen hier zu helfen, hätten Change-Management und systemische Methoden. Warum kommen diese Ansätze so oft zu kurz? Budget?

    • Thomas J. Olbrich permalink
      June 17, 2011 10:16

      Hallo Herr Langer,

      ich glaube, die Budgetierung von diesen Aufgaben ist letztlich auch Ausdruck der Bedeutung, die ihnen beigemessen wird, also eher Konsequenz statt Ursache.

      Ich glaube, es ist neben dem ‘Image’ von harten Fakten, das BPM über Jahre aufgebaut hat, vor allem auch der Widerspruch zwischen dem angestrebten Ziel der Automatisierung und der Entkopplung von Mitarbeitern auf der einen Seite und der nur widerwillig zur Kenntnis genommenen Feststellung, daß am Ende des Tages ‘trotz’ BPM immer noch Mtarbeiter da sind, die mehr als reine Prozesserfüllungsgehilfen sind.

      Schauen Sie einfach mal in die Business Case oder ROI-Rechnungen im Vorfeld von BPMS-Entscheidungen und suchen Sie mal den Faktor Mensch, sei es i.S. Change-Management, Prozess-Training, Awareness….es dominieren immer noch die harten IT-Fakten. Alles andere ist bestenfalls ein notwendiges Übel.

      Thomas J. Olbrich

  2. Corporate Cloud permalink
    June 17, 2011 10:27

    Diesen “Graben” kann ich leider bestätigen. Jedoch ist es sehr schwierig ihn zu überwinden, wenn bspw. das Management system- und technikaffin getrieben ist und sich dieser Soft-Facts widerschließt.

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